die vertiefenden semester

 

Keine Qual der Wahl - Vertiefungsmöglichkeit ab dem 5. Semester

 
Das Studium der Wirtschaftsinformatik an der Technischen Akademie Esslingen (TAE) ging zwar mit weiteren Pflichtfächern im fünften Semester weiter, aber bereits jetzt gab es die erste Wahlmöglichkeit.
Grundlagen Operation Research, IT Management, Software-Entwicklung für ERP Systeme und VWL für Ingenieure waren im fünften Semester im Fokus.
Dabei ist Operations Research wohl das spannendste IT-Fach gewesen. Hierbei geht es darum ein Gleichungssystem aus einer Input-Output-Aufgabe zu erstellen und mittels bestimmter Algorithmen (wie bspw. dem sog. Simplex-Algorithmus) die optimalen Input-Parameter berechnen zu lassen. Beispielsweise ist die Fragestellung, wie kann Butter durch Margarine ersetzt werden, ohne dass die Festigkeit bei einer bestimmten (festgelegten) Temperatur nicht verloren geht, bzw. in wie weit müssen die anderen Zutaten angepasst werden...
Da ich in meiner Vergangenheit bereits bei einem ERP-System mitentwickeln durfte (die komplette Infrastruktur der Inventur und deren Bewertung war in meinen Händen) war im Fach SW-Entwicklung für ERP-Systeme lediglich spannend, dass ich Kontakt mit ABAP bekommen habe und auch SAP einmal kennen lernen durfte.
VWL - die Volkswirtschaftslehre - ist ein Fach, das nicht unterschätzt werden darf. Auch wenn die Begriffe der Produzentenrente und der Konsumentenrente etwas irreführend sein können, sind die Berechnungen doch sehr trivial gegenüber denjenigen, die bei Operations Research getätigt werden müssen. Andererseits ist das Fach durchaus machbar - auch für nicht BWLer.
IT Management ist ein sehr weitreichendes Fach, was nicht nur Methoden, sondern auch Wissen vermittelte welche Ziele, Aufgaben aber auch Rollen die IT als Enabler im Unternehmen haben soll. Es geht über Service-Management und den Gedanken zur Kundenorientierten Prozesslandschaft über das Projektmanagement hinweg zum IT-Controlling und somit dessen Kosten- und Leistungsbewertungsmöglichkeiten. Auch hier spielte die in ABWL bereits erlernte SWOT-Analyse eine wichtige Rolle, daher möchte ich diese hier kurz "wiederholen".

Die SWOT Analyse...

... wird bei der Innen- und Außen-Analyse angewandt und dient dazu Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, um entsprechend in eine oder mehrere Richtungen wachsen oder Kosten sparen zu können. Sie funktioniert so, dass im ersten von zwei Schritten vier Quadrate wie folgt beschrieben werden.
Das erste widmet sich mit der Frage: Welche internen Stärken (Strengths) sind vorhanden?
Das zweite (meist rechts daneben): Welche internen Schwächen (Weaknesses) sind bekannt?
Im dritten Quadrant wird folgende Frage beantwortet: Welche Chancen (Opportunities) ergeben sich (auf dem Markt? außerhalb der Firma)?
Und zum Schluss: Welche Risiken (Threats) können außerhalb der Organisation erkannt werden?
Im zweiten Schritt werden anhand den gefundenen Punkten entsprechend Handlungsempfehlungen formuliert. Es kann hier auch hilfreich sein, Verbindungen entsprechend herzustellen um beispielsweise Chancen durch Stärken zu nutzen, oder entsprechend Risiken zu minimieren. Bekannte Schwächen können durch die Make-or-Buy-Fragestellung behandelt werden, da diese sicher nicht von alleine wegfallen.
Ansonsten gilt es...
  • ... die Stärken zu stärken/fördern/investieren,
  • ... die Schwächen abzubauen/zu minimieren/deinvestieren
  • ... die Chancen möglichst schnell zu nutzen und die eigene Organisation dahin zu mobilisieren
  • ... die Risiken möglichst rasch zu minimieren, entgegenwirken oder bei wahrscheinlichem Schaden sich entsprechend abzusichern.
 

 
Im sechsten Semester waren Controlling, Human Resources und Führung, Business Intelligence 2 und das Fach Projektmanagement Methoden angesagt.
Bei Projektmanagement Methoden ging es insgesamt um den Spagat zwischen dem klassischen Projektmanagement, wie es bereits im dritten Semester komplett im Detail drankam, und dem sog. agilen Projektmanagement. Die meiste Zeit verbrachten wir dann tatsächlich mit dem Scrum Framework. Scrum ist ein Framework das sich in die agile Projektmanagement-Welt eingliedern lässt. Hier werden einige Begriffe oder Fachtermini definiert und gelernt, so dass alle Beteiligten "die gleiche Sprache sprechen". Beispielsweise gibt es sog. Artefakte: Das Product Backlog, das Sprint Backlog und das Product Increment. Insgesamt geht es hierbei um Input- bzw. Output-Faktor(en). Während die Backogs prinzipiell die Arbeitspakete darstellen, also Todo-Listen oder Feature-Listen, was getan werden soll, ist das Product Increment das, was am Ende des sog. Sprints messbar fertiggestellt werden konnte. Und schon haben wir den nächsten Begriff: Der Sprint. Ein Sprint ist im Prinzip ein festgelegter Zeitraum von mindestens einer Woche und maximal vier Wochen und beinhaltet einfach alle Arten von "Meetings" bzw. der Bearbeitungszeit in der das Sprint Backlog möglichst komplett bearbeitet und damit geleert wird. Das ist der Unterschied zwischen dem Product Backlog und dem Sprint Backlog: Das Produkt Backlog wird immer "voll" bleiben bzw. das Team plant sich den Sprint entsprechend gezielt ein. Wie das ganze passiert, und was noch alles im Sprint geschieht, das regelt Scrum. Zwei wichtige "hauptamtliche" Jobs gibts hierbei zu beachten: Der Product Owner und der ScrumMaster. Bevor ich aber jetzt hier auf die Details eingehe - schaut doch gerne mal hier weiter. In meiner Projektarbeit im siebten Semester habe ich mich mit Scrum in vertiefender Weise befasst und mich hier mit der Fragestellung auseinandergesetzt, welche Anforderungen an eine Software gestellt werden muss, um diese im Scrum-Framework einsetzen zu können.
Der Kurs Business Intelligence 2 baut intensiv auf Business Intelligence aus dem zweiten Semester auf, wiederholt einige Inhalte und vertieft diese durch ein Selbststudium. Dabei ging es darum, dass wir das Lowcode-Tool KNIME kennen lernen und hier eine Aufgabenstellung bearbeiten. Da ich auch diese Ausarbeitung (in abgewandelter Formatierung) hier online gestellt habe, genügt diese Info über das Fach an der Stelle.
Human Resources und Führung hat nur eine einzige Rechenaufgabe beinhaltet und war sonst nur theoretischer Natur, da es ja auch nichts explizit mit Software-Entwicklung zu tun hat. Diese Rechenaufgabe ist die Quantitative Personalplanung: Einsatzbedarf + Reservebedarf = Bruttopersonalbedarf; Bruttopersonalbedarf - Personalbestand = Nettopersonalbedarf. Viel spannender als diese Formel ist allerdings durchaus das Thema Führung. Neben dem Behandeln der Grundbedürfnisse nach Maslow wurden auch die Schlüsselbedürfnisse nach McClelland thematisiert. Unser Dozent hat uns, nachdem ich mit ihm über Stephen R. Coveys " Die 7 Wege zur Effektivität" gesprochen hatte, wärmstens das Buch Führen Leisten Leben von Fredmund Malik empfohlen.
Der Kurs Controlling wiederholte einige Inhalte aus der Kostenrechnung und Investition&Finanzierung und gibt noch mehr Theoriewissen wieder, wie der Unterscheidung von Führungskoordination in personenorientiert oder sachbezogen. Bei der personenorientierten Führungskoordination geht es um das Individuum selbst und ein sehr hohes Vertrauen. Hier wird oft im Bewerbungsgespräch schon ausgemustert. Bei der sachbezogenen geht es rein um Aufgabe oder Vorgabe und der damit verbundenen Generalanweisung. Zudem wird hier auch auf die Budgetierung und die Budget-Planung weiter eingegangen. Top-Down oder Bottom-Up sind hier wie links und rechts, die Mitte wird dabei durch das Gegenstromverfahren abgebildet - hier werden die Nachteile von beiden vermieden. Neben der etwas trockenen Aufgaben, bei denen es z.B. galt die Selbstkosten zu rechnen, gab es auch spannendere Aufgaben, wie es z.B. die Protfolio-Analyse (Thema: Produktlebenszyklus) gewesen ist:

Die Portfolio-Analyse...

Bei der Portfolio-Analyse wird der Marktwachstum dem relativen Marktanteil eines Produktes des Unternehmens in einer Matrix gegenübergestellt. Auf der y-Achse ist dabei der Marktwachstum und der relative Marktanteil wird auf der x-Achse abgetragen, jeweils von niedrig bis hoch. Die dabei entstehende "Punktewolke" wird dann in vier Quadrante eingeteilt, die folgend Bezeichnet werden:
  hoch Question Marks Stars
  Marktwachstum
  Poor Dogs Cash Cow
  niedrig
    niedrig hoch
    Relative Marktanteil
   
Diese Einteilung hilft nun in der Bewertung der einzelnen Produkte und der Generierung von Handlungsempfehlungen. Neue kommen erstmal direkt zu den Question Marks (wobei hier die Voraussetzung ist, dass man den Markt analysiert hat und man auch einen hohen Marktwachstum feststellen kann). Wird das Produkt nachgefragt so entsteht Umsatz. Je nach Marktsituation gewinnt das Unternehmen mehr und mehr Marktanteile. Irgendwann ist der Markt laut Theorie gesättigt und man erkennt kaum noch Marktwachstum. Die spannende Frage ist hier, wie weit investiert man nun noch in das Produkt? Man könnte hier einfach argumentieren: So lange der Marktanteil hoch genug für einen selbst und die Gewinne weiter vorhanden sind. Bei der Cash Cow wird allerdings bereits deinvestiert, wie z.B. die Forschung abgebaut, da erwartet werden kann, dass auch der relative Marktanteil schwinden wird. Natürlich ist das nur ein Modell und sollte nicht unbedingt immer für "bare Münze"
 

 
Automatisierung in der Fertigung, Datenbanksysteme 2, Konfliktmanagement, Marketing für Ingenieure und die Projektarbeit waren die Themen des siebten Semesters.
Bei der Projektarbeit war es wichtig, einen wissenschaftlichen Schreibstil zu entwickeln. Frau Dr. Teich hat mich hier sehr gut begleitet, mir mehrfach Tipps und Verbesserungshinweise gegeben und insbesondere beim Feedback-Gespräch nach der Abgabe nochmal viele wertvolle Tipps für die Bachelorarbeit mitgegeben.
    Vielen lieben Dank hierfür nochmals auf diesem Weg!
Die Projektarbeit selbst ging komplett in ihr Fachgebiet Projektmanagement Methoden: Das Scrum Framework. Da ich dieser Arbeit eine eigene Seite gewidmet habe ist hiermit genug zu dieser in der Auflistung hier erklärt.
Marketing für Ingenieure war ein sehr interessanter Kurs. Zum einen haben wir die SWOT-Analyse vertieft, was auch von Jedem vor der Klausur noch als Hausarbeit abgeben musste. Zum anderen war auch das SOR-Modell sehr spannend und aufschlussreich. Das SOR-Modell bildet sich aus "Stimulus", "Organismus" und "Response". Spannend dabei fand ich, dass das im Grunde das weiterentwickelte Modell ist, oder sich zumindest danach anhört, wie das, was Stephen R. Covey in seinem Bestseller schildert: Das Reiz-Reaktion-Modell: Zwischen Reiz und Reaktion ist ein Raum, den man nutzen kann. Umgekehrt sagt das SOR-Modell, dass der Organismus, der Mensch, sich ggf. entsprechend dem Stimulus "aktivieren" lässt und so zu einer Kaufentscheidung geführt werden kann. Direkt beobachtbare Stimuli lassen sich somit auf direkt beobachtbare Responses überprüfen, wobei man das, was im Organismus genau für aktivierende Prozesse, prädisponierende Prozesse oder auch kognitive Prozesse vorgehen, lässt sich nur erahnen, ableiten oder durch Befragung vielleicht bewusst wiedergeben.
Datenbanksysteme 2 baute ziemlich auf Datenbanksysteme auf und brachte dadurch eine Vertiefung, so dass wir uns mit MySQL bzw. MariaDB und PHP und einem eigenen Projekt auseinandersetzen mussten. Dabei lag der Fokus darin ein sog. Informationssystem aufzubauen, bei dem mindestens ein Login und verschiedenste Datenverarbeitungen implementiert werden würden. Meine Projekt-Idee dabei war, dass ich für meinen Ortsverein eine Plattform zur Einsatzplanung erstelle. Noch vor Abschluss hat der "Schirmverein" für alle Ortsvereine eine größere webbasierte Planungssoftware eingekauft, die auch auf die internen Bestimmungen bereits komplett angepasst war. Schade um das Projekt, es hat mich aber um einiges Wissen und Erfahrung bereichern können.
Automatisierung in der Fertigung war ein Kurs, welcher genau darum ging: Die einzelnen Prozessschritte in der Fertigung so weit möglich zu automatisieren. Dabei wurden erstmal Begriffe definiert und damit die Fachbegriffe wie Rationalisierung, Mechanisierung, Automatisierungstechnik, Automat oder Materialfluss exakt erklärt. Eine weitere Übung gehörte der strukturierten Planung von Automatisierungslösungen nach VDI 2221. Anschließend ging es auch um Robotik und deren Einsatzmöglichkeiten in Form von Mensch-Roboter-Kollaboration. Abgerundet wurde der Kurs mit der Diskussion zur Sicherheit von Roboteranlagen und der Anwendung einer Risikomatrix zu deren Eruierung.
Noch kurz vor Weihnachten 2019: Konfliktmanagement in Form eines zweitägigen Seminars. Dabei wurde sehr auf die Definition von Friedrich Glasl Wert gelegt, der besagt:
"Sozialer Konflikt ist eine Interaktion zwischen Aktoren (Individuen, Gruppen, Organisationen usw.), wobei wenigstens ein Aktor Unvereinbarkeiten im Denken/Vorstellen/Wahrnehmen und/oder Fühlen und/oder Wollen mit dem anderen Aktor (den anderen Aktoren) in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch einen anderen Aktor (die anderen Aktoren) erfolge."
Im Weiteren kamen wir zur Definition der "Subjektiven Realität" durch welche Konflikte auch leicht erklärbar werden können. Auch wenn wir nicht so leicht nachvollziehen können, wie es bspw. zu einem sog. Nullsummenspiel kommen kann, können wir dennoch die einzelnen Parteien in ihrer eigenen Realität wahrnehmen und verstehen. Wichtig dabei ist, dass wir hierbei uns nicht von einer Seite einnehmen lassen, da im Falle eines Konfliktes, die Objektivität verloren gehen kann. Später können Fakten gefunden werden, die beide Subjektive Realitäten verbinden lässt und so ein sog. "Common Ground" gefunden werden kann, auf dem dann Lösungen strategisch aufgebaut werden können. Mithilfe der Kooperativen Klärung können Konflikte aus der Welt geschafft werden. Dabei muss man bereit sein empathisch dem Anderen gegenüberzutreten und mit Beziehungsebene auf eine Win-Win-Situation hinzuarbeiten. Hier sollen beidseitige Bedürfnisse befriedigt werden können. Kurzum kann das so funktionieren:

Kooperative Klärung

  1. Beziehungs- vor Sachebene
    (->Gefühle und Bedürfnisse notieren)
  2. Interesse statt Positionen
    (->Common Ground aus gemeinsamen Bedürfnissen finden)
  3. Fragen statt Annahmen
    (->Nach Gefühlen fragen; Raus aus der Anklage zw. Täter und Opfer; Ich-Sprache!)
  4. Selbstverantwortliche Lösung(en) erarbeiten
    (Ich-Sprache => Gestaltungsmacht->ICH->Selbstverantwortung)
 

 
Es hat sich letztendlich als Glücksgriff erwiesen, dass wir im sechsten Semester ein Fach mehr als vorgesehen gewählt und vorgezogen haben: Das achte Semester war nur mit einem Fach und der Bachelor-Thesis vollständig gefüllt.
Es war Mitte März 2020.
Corona breitete sich aus.
Eine Lockdown-Stufe nach der anderen wurde verhängt und der reguläre Studienbetrieb in Ausnahmezustand versetzt...
Als "nebenberuflich Studierende" hatten wir z.B. mit einem Online-Tutorium in Wirtschaftsmathe den Kontakt von "Online-Unterricht" bereits gekannt. Wir kannten die allgemeinen Regeln oder wie das in etwa funktioniert. Das einzige Fach, was wir nun noch offen hatten war "Informationstechnik in der Unternehmensinfrastruktur". Unsere Dozentin war mit Kindern zuhause und durfte auch das erste Mal ein komplettes Seminar online durchführen. Unser Glück, dass dies ein IT-Fach und tatsächlich 100% per Online-Meeting durchführbar war. Neben einigen IT-Sicherheits-Grundkenntnissen und auch einem kleinen Exkurs in die Anwendung von SQL-Injections (dazu gab es ein Tutorial und eine echte Website, die auch offiziell für diese Übungszwecke genutzt werden durfte) wurden uns hier allgemein vertiefende Inhalte über Möglichkeiten Firmennetze aufzubauen und alles zwischen LAN und WAN sicher kommunizieren zu lassen. Wir hatten dabei auch das Online-Tools der Network Designer 2.0 im Einsatz um uns gegebenen Aufgaben entsprechende Netzwerk-Landschaften Planspiel-artig aufbauen zu können.
Auch zur Bachelor-Thesis habe ich eine eigene Seite gewidmet und möchte daher hier den interessierten Leser am liebsten direkt dorthin bringen ;-)
Viel Spaß und danke für's lesen!